Nepomuk und die achteinhalb Berner

Ein Ausflug in die Föhrenberge bei Wien

 

Ein Gastbeitrag von Kaj Kinzel

 

Fast Mitternacht war es, als wir, Nepomuk, Vreni und ich, in Mödling ankamen. Knapp 30 km vor Wien wollten wir Selma, unser neues Rudelmitglied, kennenlernen und gemeinsam die Gegend erkunden. Absolut unvorbereitet in Sachsen gestartet, haben wir uns gut bis ins Herz Österreichs gefunden. Als wir in der Stille der Nacht an der gestreiften Haustür klingelten, drang ein ohrenbetäubendes Bellen durch die Türritzen heraus. Auf was haben wir uns hier eingelassen?

 

Unsere Gastgeber und sieben riesige, auf und nieder springende Berner Sennhunde begrüßten uns. Soll ich wirklich mit Vreni und Nepomuk hier hineingehen? Isabella und Klemens beruhigten mich mit den Worten: „Das ist kein Problem. Kommt nur herein. Die tun nix.“ Mal ehrlich! Wer stürzt sich freiwillig in so ein Getümmel? Gut, ok. Es wird schon gut gehen, denke ich. Und sieheda, ein großes, unkompliziertes Beschnuppern ging los, als Vreni, unsere dreijährige Berner Hündin, den Raum betrat. Aber wie wird das wohl mit Nepomuk, dem selbstbewussten Briard-Rüden klappen?! Kurz: man wunderte sich über das andersartige Aussehen des fauve-farbenen Zottels, und schon nach kurzer Zeit kehrte Ruhe ein. So war endlich Zeit, die kleine Selma zu begrüßen…

 

Am nächsten Morgen warf ich als erstes einen Blick aus dem Fenster und war überrascht: riesige hellgraue Felswände standen mir gegenüber, komplett überzogen mit lustig anzuschauenden, kiefernähnlichen Bäumen, ganz anders als die Vegetation, die ich aus unseren Breiten kenne. Sogar einen Kletterer entdeckte ich plötzlich kurz vor dem Gipfel in der Wand! Das musste ich mir aus der Nähe ansehen! So beschlossen wir zum Frühstücksbrunch, unsere Hunderunde vom Haus aus in die Felsenberge zu starten.

 

Zu dreizehnt (3 Menschen und 10 Hunde) stapften wir auf einem schmalen, erdigen Pfad steil hinauf zu den Kalkfelsen. Stimmengewirr drang von diesen herunter zu uns. Eine große Tafel informiert: es ist der Robert-Karpfen-Klettersteig. Spannend, aber nix für uns. Wir gingen am Klettersteig vorbei, weiter auf dem Waldpfad hinauf, zu einer ollen Burgruine auf der Spitze des Felsens. Ein gepflegtes Gelände mit zahlreichen Infotafeln. Die alten Mauerreste weisen eine lange Geschichte auf. Die Burg Mödling wurde Ende des 12. Jh. begründet und war damals eine der größten Anlagen Österreichs. Der bekannte Minnesänger Walter von der Vogelweide (lebte etwa 1170-1230) besuchte diesen (zumindest heute) sehr schönen Ort mit seiner luftigen Aussicht. Von meinen Gastgebern erfahre ich, dass ich mich gerade im Naturpark Föhrenberge befinde. Die kiefernähnlichen Bäume sind also Föhren! Kiefern! Wer hätte das gedacht. Der Bewuchs erinnerte mich eher an Postkartenmotive aus den chinesischen Bergen des Huangshan-Gebirges* als an eine Voralpenlandschaft – verkrüppelte Kiefern an steilen, weißen Felswänden, umschlungen von Nebelfetzen… Das samstägliche Wetter passte zu diesem Bild. Aus den tiefhängenden, dunklen Wolken fing es an zu tröpfeln. Auf gutem Wanderweg stiefelten wir daher weiter und ließen diesen für mich außergewöhnlichen Wald auf uns wirken. Die Kiefern sind sogenannte Schwarzföhren, die durch ihre schirmförmigen Wipfel auffallen und hier bei Wien ihr nördlichstes Verbreitungsgebiet haben. Sie gelten als ein Relikt der Tertiärzeit und sind daher als Naturpark besonders geschützt.

 

Während ich die Natur bestaune, sind unsere Wanderbegegnungen begeistert von unserer Wandergruppe: „So viele Berner! Das ist ja lustig! Aber einer sieht anders aus!“ Nepomuk stiefelte stolz inmitten der schwarzen Bernerhorde durch den Wald. Ihm war es egal, er freute sich, mit der Truppe unterwegs zu sein. Besonders interessierte er sich für die Kleinste, die Selma. Putzig wackelte sie mit ihrem Schwanz mit der hübschen weißen Spitze, schnupperte hier und schnupperte da. Ich freue mich, dass sich alle so gut verstehen.

 

Es ist eine wirklich schöne Gegend, hierher werde ich bestimmt noch einmal zurückkehren. Am nächsten Tag besuchten wir noch kurz ein Rettungshunde-Trainingsgelände, machten eine Kurz-Suche mit Vreni und eine Erkundungsbegehung durch die Trümmer der Bauernhofruinen mit Selma, bevor es dann auf die Heimreise ging, nun mit Selma „im Gepäck“.

 

Nun bin ich gespannt, was ich in Zukunft noch alles mit Selma, Nepomuk und Vreni erleben werde…

 

Mehr Infos zur Region: www.moedling.at

zum Naturpark: http://www.moedling.at/system/web/GetDocument.ashx?fileid=999493

zur Burgruine: http://www.moedling.at/system/web/GetDocument.ashx?fileid=378943

 

Autor: Kaj Kinzel.

 

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*… Das Huangshan-Gebirge liegt rund 500 km südwestlich von Schanghai. Der Huangshan mit seinen verkrüppelten Pinien, die sich an den hellbraunen Felsen klammern, und seinen Nebeln, die die Felsen umhüllen, gehört zu den fünf sogenannten heiligen Bergen Chinas und ist ein gern besuchter Ort schon seit der Ming-Dynastie.

 

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