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Status-Update April: Aktuell unpassierbare Wege im Elbsandsteingebirge

Große Teile der Hinteren Sächsischen Schweiz gleichen derzeit einem riesigen Baum-Mikado. Tausende umgefallener Bäume liegen kreuz und quer - leider auch auf den Wanderwegen. Von den Bäumen, die noch stehen, geht teilweise noch eine weitaus höhere Gefahr aus. Niemand kann sagen, wann sie umfallen oder einfach in sich zusammenbrechen. Einen kleinen Einblick in die Situation vor Ort gibt Euch die Bildergalerie am Ende dieses Beitrages.

 

Die Nationalparkverwaltung arbeitet daran, die Situation für Wanderer Stück für Stück zu entschärfen. Das ist jedoch kein leichtes Unterfangen. Einerseits mangelt es an Personal, das diese Mammutaufgabe stemmen könnte, andererseits ist die Situation in manchen unwegsamen Felsschluchten so gefährlich, dass man aktuell gar keine Arbeiter hineinschicken kann. Dazu kommt, dass es sich um einen Nationalpark handelt, in dem der Schutz der Tiere an erster Stelle steht. Das Gebiet ist Heimat zahlreicher geschützter Arten, die vor allem in der Brut- und Setzzeit empfindlich auf Störung reagieren.

 

Auf seiner Homepage informiert der Nationalpark Sächsische Schweiz über aktuelle Einschränkungen im Gebiet. Wie sich das auf die Wanderungen in meinem Rother Wanderbuch "Wandern mit Hund - Elbsandsteingebirge mit Malerweg" auswirkt, stelle ich im folgenden zusammen. Zur Beachtung! Auch bei Wanderungen, die hier nicht aufgeführt sind, kann es lokal zu Beeinträchtigungen kommen. Informiert Euch daher immer auch vor Ort über die aktuelle Situation!

 

 

Folgende Wanderungen aus dem Buch sind betroffen (Stand 17. April 2021)

 

Tour 18 - Durch die Schrammsteine

Unpassierbar zwischen Wegpunkt 5 und Bloßstock. Da viele Abstiege in diesem Gebiet mit Hund nicht möglich sind, sollte diese Runde ohne Ortskenntnis derzeit nicht gegangen werden.

 

Tour 20 - Carolafelsen

Unpassierbar nach Wegpunkt 6. Der der Abstieg durch die Wilde Hölle mit Hund nicht möglich ist und auch andere Abstiegswege mit Hunden in diesem Gebiet problematisch sind, sollte diese Runde derzeit nicht gegangen werden.

 

Tour 21 - Winterstein und Kuhstall

Vom Winterstein kann man auf gleichem Weg zur Zeughausstraße zurückgehen und dann die Tour wie beschrieben fortsetzen.

 

Tour 22 - Richtergrotte und Goldsteig

Derzeit die gesamte Strecke nicht passierbar.

 

Tour 23 - Thorwalder Wände

Derzeit ist die gesamte Strecke nicht passierbar.

 

Tour 24 - Kleinstein und Arnstein

Derzeit nur bis Wegpunkt 3 begehbar, Abstieg auf selbem Wege.

 

Tour 25 - Obere Schleuse im Kirnitzschtal

Derzeit gesamte Strecke unpassierbar.

 

Tour 27 - Edmundsklamm und Prebischtor

Unpassierbar zwischen Wegpunkt 1 und 2, Umgehung über Mezná möglich.

 

Tour 28 - Kleines Prebischtor und Schauenstein

Derzeit gesamte Strecke unpassierbar.

 

Malerweg Etappe 4 - Von Schmilka zur Neumannmühle

Unpassierbar zwischen Wegpunkt 4 und 7. Umgehungsvariante: Am Wegpunkt 4 Richtung Neumannmühle gehen und nach 500 Metern links in die Zeughausstraße abbiegen. Nun dem Wegverlauf für etwa 3 Kilometer bis zur Felsenmühle folgen und die Etappe dort beenden.

 

 

Einige wichtige Verhaltensregeln

  • Gewissenhafte Tourenplanung - informiert Euch vor Tourbeginn über bestehende Einschränkungen.
  • Meidet betroffene Waldgebiete vor allem bei Wind, Schneelast oder während und nach starken Niederschlägen.
  • Richtet Eure Blicke während der Tour immer wieder auch mal nach oben, bleibt nicht unter Baumspitzen, die noch in den Kronen hängen oder unter abgebrochenen Ästen stehen.
  • Vor einer Rast im Wald sollte man immer mit einem Blick nach oben checken, ob der ausgewählte Platz auch sicher genug ist, um darunter zu verweilen.

 

Link zum Wegeservice des Nationalparks Sächsische Schweiz:

 

https://www.nationalpark-saechsische-schweiz.de/aktuelles/wegeservice-und-wegeinfo/

Infotelefon: +49 35022 50240

 

 

Wie kam es überhaupt dazu?

 

Stürme, heiße Sommer und starke Trockenheit haben den Wäldern in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Dadurch wurden vor allem die in flächendeckenden Monokulturen angepflanzten Fichten leichte Beute für Borkenkäfer, die sich in den Jahren 2018 bis 2020 in Deutschland so stark vermehren konnten, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Während andernorts ganze Waldflächen gerodet wurden, um die weitere Ausbreitung der gefräßigen Insekten zu verhindern, ist "Natur Natur sein lassen" das Motto eines Nationalparks.

 

Und in der Tat birgt ja auch jedes Ende einen Neuanfang.

 

Anfangs ragen noch rotbraun verfärbte Fichtenkronen in den Himmel, doch die Bäume verlieren nach und nach ihre Nadeln und stehen schließlich nur noch als kahle Stangen da. Mehr Licht kommt in den sonst so dunklen Wald. Die Lebensräume verändern sich, neue Lebensgemeinschaften entstehen. Für Spechte gibt es im stehenden Totholz ein reichhaltiges Nahrungsangebot, denn hinter der abgelösten Baumrinde finden zahlreiche Insekten eine Heimat. Pilze zersetzten nach und nach die abgestorbenen Bäume. Flechten und Moose besiedeln das tote Holz, welches wie ein Schwamm Wasser aufnimmt und anschließend langsam an den Boden abgibt. So bildet Totholz eine gute Grundlage für neues Leben.

 

Irgendwann werden die nun sonnenüberfluteten Flächen von neuen Pflanzen besiedelt. Häufig ist der Fingerhut einer der ersten, der seine farbenfrohen Blütenstände zwischen trockenem Reisig in die Höhe streckt. Nach und nach gesellen sich Brombeersträucher und Birken dazu, oder Buchen, die jahrelang als kleine Pflänzchen auf mehr Licht warteten, wachsen jetzt recht schnell in die Höhe. So entsteht aus dem einstigen Borkenkäferwald nach und nach ein natürlicher Mischwald.