Vier Pfoten im Land der Trolle - Teil 1

Im ersten Teil der Reihe "Vier Pfoten im Land der Trolle" möchten Vreni, Selma und ich Euch ins schöne Setesdal in der südnorwegischen Provinz Aust-Agder entführen. Über Jahrmillionen hat sich die Otra, Norwegens neuntlängster Fluß, hier tief in die felsigen Berge gefressen und schuf so ein 145 Kilometer langes Tal, das bei Outdoor- und Naturliebhabern keine Wünsche offen läßt.

Auf dem Suleskarvegen nach Valle

Es gibt viele Möglichkeiten, um ins Setesdal anreisen zu können. Wir haben uns auf unserer Fahrt von Westen her ins Landesinnere für den Suleskarvegen entschieden. Norwegens höchstgelegene Straßenverbindung führt hinauf bis auf 1.050 Meter über dem Meeresspiegel. Darf man den Informationstafeln an der Straße glauben, so befindet sich hier, im Landschaftsschutzgebiet Setesdal – Vesthei – Ryfylkeheiane, der südlichste Wildrentierbestand Europas. Rentiere suchten wir vergebens, dafür wurden wir nach einer stürmischen und regnerischen Nacht am Morgen von einer kleinen Gruppe Schafe geweckt, die das eingetrocknete Meersalz der letzten Tage von unserem Auto leckte.

Abendstimmung am Suleskarvegen

Guten Morgen :-)


Übernachten im Setesdal

Auf unserer Reise blieben wir drei Tage in der Region um Valle im nördlichen Setesdal. Wie überall in Norwegen war es auch hier nicht schwer, eine schöne Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Wir entschieden uns für den idyllisch am Ufer der Otra gelegenen Campingplatz Helle Camping. Mitte August ist die Saison hier nahezu vorüber, so daß wir den Platz fast für uns alleine hatten.

Wer nicht so der Campingfreund ist, sondern die Nacht lieber in einer festen Unterkunft verbringen möchte, hat auf fast allen Campingplätzen die Möglichkeit, mehr oder weniger große Hütten anzumieten. Unterkünfte findet man auf der Internetseite des Setesdals, oder man hält unterwegs einfach nach Verkehrszeichen Ausschau, die auf Campingplätze und Hüttenparks hinweisen.

Valle - Ausgangspunkt für zahlreiche Unternehmungen

Besonders beliebt ist die Region um Valle bei Kletterern. Zahlreiche Routen findet man in den langen Granitwänden des Nomelandsfjellet, Loefjell oder Einang, und auch Boulderer kommen hier auf ihre Kosten. Am Straumsfjellet befindet sich sogar einen der wenigen Klettersteige Norwegens. Ausgangspunkt hierfür ist der Campingplatz Helle Camping in Rysstad. Das Flüßchen Otra lädt zum Paddeln und Baden ein, und in der kalten Jahreszeit kann man rund um Brokke und Hovden zahlreichen Winterfreuden frönen. Ob Wandern, Langlauf, Abfahrt, Rodeln oder Schneeschuhtouren - die Berge um Valle sind auch bei Wintersportlern sehr beliebt.

Winzig klein erscheinen die Kletterer in der großen Wand des Nomelandsfjellet

Badestelle Honnevje, drei Kilometer nördlich von Valle gelegen

Paddeln auf der Otra - Freizeitvergnügen für Mensch und Hund


Wir haben die Zeit im Setesdal genutzt, um die abwechslungsreiche Natur auf Schuster's Rappen zu erkunden. In der Touristinformation bekommt man zahlreiche Wandervorschläge, sehr gut aufgearbeitet mit deutschsprachiger Wegbeschreibung und einem dazugehörigen Kartenausschnitt. Praktisch ist, daß die Touren auf A5-Zetteln beschrieben sind, die sich sehr gut mit zum Wandern nehmen lassen.

Vom Nomelandsfjellet genießt man einen fantastischen Blick über das Tal

Die Landschaft im Setesdal könnte abwechslungsreicher kaum sein. Wiesen und Wälder im Tal, an den steilen Bergflanken findet man felsige Pfade, atemberaubende Abbrüche, und auf den Hochebenen wechseln sich trockene Gebiete mit Heidekraut, Birken und Krüppelkiefern mit sumpfigen Quellmooren ab, wo das Wollgras seine weißhaarigen Köpfe sanft im Winde wiegt. Klare Bergseen laden zum Fischen und Baden ein, und an den Ufern findet man die typischen, überwiegend mit Gras gedeckten Holzhütten, die meist als Wochenend- oder Ferienhäuschen genutzt werden.

Wandern auf dem Homfjellet

Typisches grasgedecktes Holzhaus

Die Berge und Hochflächen rund um Valle bieten immer wieder atemberaubende Ausblicke


Wandertipp!  Zum Nomelandsfjellet - Badespaß und steile Pfade

Von der Badestelle Honnevje, 3 Kilometer nördlich von Valle direkt an der Landstraße gelegen, nimmt man den Pfad, der auf der anderen Straßenseite steil in den Wald hinauf führt. Nach etwa einer halben Stunde erreicht man die Felswand des Nomelandsfjellet. Achtung - Absturzgefahr! Hunde unbedingt an der Leine halten! Von da führt der Weg immer oberhalb der steilen Felsplatten weiter aufwärts bis zum Fingredalstjønni, einem malerischen Bergsee, der nicht nur Vierbeiner geradezu zum Baden einlädt.

Aufstieg oberhalb der steilen Felsplatten

Selma und Vreni am Fingredalstjønni

Der Bergsee lädt zum Bade


Vom Badesee aus gilt es, noch weitere 250 Höhenmeter bis zum Gipfel, den ein nicht besonders fotogener Sendemast ziert, zu überwinden. Immer wieder wechseln sich flachere Wegabschnitte mit teilweise sehr steilen Anstiegen ab. Der Rückweg dieser für konditionsstarke und schwindelfreie Zwei- und Vierbeiner sehr empfehlenswerten Wanderung erfolgt auf dem Aufstiegsweg.

Blick über das Setesdal

Hochmoor am Nomelandsfjellet


Tourdetails: Gut markierter Wanderweg; Gehzeit ca. 5,5 Stunden (Hin- und Rückweg); 800 Hm im Auf- und Abstieg; ca. 11 km; Kondition; Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, Trinkgelegenheit für Hunde nur am Badesee - ausreichend Wasser mitnehmen!

Mit Hund nach Norwegen - was muß ich beachten?

Wenn man mit seinem Hund nach Norwegen reisen möchte, gibt es einige Dinge zu beachten. Da sind zunächst einmal die rechtlichen Rahmenbedingungen, die man einhalten muß. So benötigt man zur Einreise nach Norwegen einen EU-Heimtierausweis mit Namen des Tierbesitzers, Identitätsmerkmal (Chipnummer) des Tieres, tierärztlicher Bestätigung über Tollwutimpfung und Behandlung gegen Bandwurmbefall (bei Einreise aus nicht-EU/EWR muß dies in einem Veterinärzertifikat dokumentiert sein, welches von einem öffentlichen Veterinär im Absendeland unterzeichnet sein muß). Daraus folgt:

  • Hunde müssen gechippt sein.
  • Es ist eine gültige Tollwutimpfung vorgeschrieben, die mindestens 21 Tage vor der Einreise erfolgt sein muß.
  • Hunde müssen innerhalb von 120 bis 24 Stunden vor der Einreise nach Norwegen gegen Bandwurmbefall (Echinococcus multilocularis) mit einem anerkannten Präparat (z. B. Praziquantel oder Epsiprantel) behandelt werden. Die Behandlung muß im Pass tierärztlich bescheinigt werden.
  • An der Grenze muß man dem Zoll während der Öffnungszeiten Tier und Dokumente vorweisen.
  • Reist man mit mehr als 5 Tieren pro Einreise ins Land, gelten die Regelungen der kommerziellen Einfuhr.
  • Folgende Hunderassen sind in Norwegen verboten und dürfen somit auch nicht eingeführt werden: Pit Bull Terrier, Amerikanischer Staffordshire Terrier, Fila Brasileiro, Tosa, Dogo Argentino, Tschechoslowakischer Wolfhund, sowie Mischlinge dieser Rassen und Mischlinge zwischen Hund und Wolf.

Die aktuellsten Regelungen zur Einreise mit Hund findet man auf der Internetseite der Königlich Norwegischen Botschaft in Berlin.

 

In Norwegen gibt es eine generelle Leinenpflicht von April bis September. Wild und Weidevieh dürfen durch Hunde nicht belästigt und gestört werden. In vielen Städten gibt es auch eine ganzjährige Leinenpflicht. Möchte man in einen National- oder Naturpark, sollte man sich im Vorfeld informieren, ob Hunde da erlaubt sind. Im Landedrag Naturpark beispielsweise sind Hunde generell verboten.

Viele Wege führen nach ..... Norwegen

Neben den speziellen Einreisebestimmungen stellt sich vor allem für Hundehalter die Frage nach der geeigneten Überfahrt nach Skandinavien. Seit der Fertigstellung der Öresundbrücke kann man die skandinavischen Länder komplett auf dem Landweg erreichen und ist nicht auf Fähren angewiesen. Außerdem gibt es mehrere Fährverbindungen von Deutschland nach Norwegen und Schweden sowie von Dänemark nach Norwegen und Schweden.

Warten auf die Fähre

Kurz vor der Abfahrt in Trelleborg

Vreni und Selma an Deck der FS Sassnitz

In der Pet Lounge haben nicht nur Vierbeiner ihre Ruhe :-)


Auf der Suche nach einer möglichst kurzen Überfahrt und einem Hafen, der von uns aus relativ zügig und gut zu erreichen ist, haben wir uns für die Strecke Sassnitz - Trelleborg entschieden, die von der Stena Line befahren wird. Mit 4 Stunden ist die Überfahrt recht kurz. Man kann den Hund im Auto lassen oder mit an Deck nehmen. An Bord der Schiffe gab es sehr viele Hunde, die sich alle völlig ruhig und unauffällig benommen haben. Man kann sich an Bord frei mit seinem Hund bewegen (natürlich selbiger angeleint). Verbote gibt es lediglich für das Restaurant, den direkten SB-Restaurant-Bereich (an die Tische davor kann man den Hund mitnehmen), den Ruheraum und den Shop. Überall, wo Hunde nicht hin dürfen, ist dies deutlich durch Zeichen gekennzeichnet. Es gibt auch eine Pet Lounge mit Tischen, Stühlen und Hundeboxen (letztere haben wir nicht benutzt).

Für die Überfahrt mußten wir für die Hunde nicht extra bezahlen, allerdings muß man die Anzahl der Hunde unbedingt bei der Buchung mit angeben.

 

Zur Einreise nach Schweden benötigt man einen EU-Heimtierausweis mit gültiger Tollwutimpfung. Außerdem muß der Hund gechippt sein und vorher beim Zoll angemeldet werden. Dies kann man ganz einfach online beim Schwedischen Zoll erledigen. Man bekommt dann eine Registrierungsnummer, die man auf Verlangen vorzeigen muß, und darf die grüne Spur bei der Einreise nach Schweden benutzen. Man muß also den Hund nicht nochmal beim Schwedischen Zoll vorstellen. Detaillierte Einreisebestimmungen nach Schweden gibt es auf der Internetseite des Schwedischen Landwirtschaftsministeriums.

 

Achtung! Wenn man über Schweden nach Norwegen fährt, sollte man den letztmöglichen Termin für die in Norwegen geforderte Wurmkur beachten, die ja vom Tierarzt im Impfpass bestätigt sein muß!

 

 

Weitere Bilder unserer Norwegen-Reise findet Ihr in der Bildergalerie.